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Eine Hand hält eine Zapfpistole an einer modernen Tankstelle beim Tankvorgang.

Tank-Apps: So zählt die Ersparnis nach dem Umweg

Ein niedrigerer Literpreis lohnt sich nur, wenn die Bruttoersparnis höher ist als die Kraftstoffkosten des zusätzlichen Weges. Autofahrer sollten deshalb nicht allein den ersten Treffer einer Tank-App wählen, sondern Kraftstoffsorte, Meldezeitpunkt, Entfernung und Umweg gemeinsam prüfen.

Von der Sakamakal-Redaktion · Stand: 23. August 2026

Vier Angaben entscheiden über den günstigsten Tankstopp

Vor der Abfahrt oder während einer sicheren Pause genügen vier Kontrollen:

  • Ist die richtige Kraftstoffsorte ausgewählt: Super E5, Super E10 oder Diesel?
  • Wann wurde der angezeigte Preis zuletzt aktualisiert?
  • Zeigt die App Luftlinie, Fahrstrecke oder den tatsächlichen zusätzlichen Weg?
  • Wie viel soll getankt werden?

Die Tankmenge ist entscheidend: Bei einem fast leeren Tank wirkt sich ein Preisunterschied stärker aus als beim Nachfüllen weniger Liter. Umgekehrt kann eine weiter entfernte Station trotz deutlich niedrigerem App-Preis die teurere Wahl sein.

Seriöse Verbraucherinformationsdienste sollten die Datenherkunft, den Aktualisierungszeitpunkt und die gewählte Kraftstoffart klar anzeigen. Bewertungen, Werbung oder die Reihenfolge gesponserter Treffer sind kein Ersatz für diese Angaben.

Woher die Preise in Tank-Apps stammen

Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe des Bundeskartellamts erfasst Preisänderungen meldepflichtiger Tankstellen für Super E5, Super E10 und Diesel. Sie stellt diese Informationen zugelassenen Verbraucherinformationsdiensten bereit, die daraus beispielsweise Tank-Apps und Preisvergleichsangebote erstellen.

Das macht die angezeigten Werte zu einer belastbaren Vergleichshilfe, aber nicht zu einer Garantie für den Preis bei der Ankunft. Zwischen Meldung, Abruf und Eintreffen kann sich ein Preis ändern. Maßgeblich ist daher immer die Preisauszeichnung an der Tankstelle.

Auch die Entfernung verdient einen zweiten Blick. Drei Kilometer bis zur Station bedeuten nicht automatisch drei Kilometer Umweg: Liegt sie ohnehin an der geplanten Route, kann der Zusatzweg sehr klein sein. Erfordert die Fahrt dagegen Hin- und Rückweg, muss die gesamte zusätzliche Strecke in die Rechnung einfließen.

Diese Formel zeigt die wirkliche Ersparnis

Zunächst wird der Vorteil beim Tanken berechnet:

Bruttoersparnis = Tankmenge × Preisunterschied je Liter

Danach folgen die Kosten des Umwegs:

Tank-Apps: So zählt die Ersparnis nach dem Umweg

Umwegkosten = Zusatzkilometer × Verbrauch je 100 km ÷ 100 × angesetzter Kraftstoffpreis

Die entscheidende Größe lautet:

Nettoersparnis = Bruttoersparnis − Umwegkosten

Zeitaufwand, Verschleiß oder eine mögliche Verzögerung sind darin noch nicht enthalten. Die Rechnung zeigt daher nur den Kraftstoffeffekt. Wer für wenige Cent Ersparnis lange warten oder durch dichten Verkehr fahren müsste, kann sich trotz rechnerisch positivem Ergebnis gegen den Umweg entscheiden.

Rechenbeispiel ohne behaupteten Tagespreis

Angenommen, ein Fahrer möchte 45 Liter tanken. Eine andere Station bietet laut App einen um 0,08 Euro niedrigeren Literpreis. Der gesamte zusätzliche Weg beträgt zehn Kilometer. Das Auto verbraucht sieben Liter je 100 Kilometer; für die Rechnung wird ein angenommener Kraftstoffpreis von 1,80 Euro je Liter verwendet. Dieser Wert ist nur eine Rechengröße und kein aktueller Marktpreis.

Eingabe oder Rechenschritt Wert
Tankmenge × Preisunterschied 45 l × 0,08 € = 3,60 €
Verbrauch auf dem Umweg 10 km × 7 l ÷ 100 km = 0,70 l
Kraftstoffkosten des Umwegs 0,70 l × 1,80 € = 1,26 €
Nettoersparnis 3,60 € − 1,26 € = 2,34 €

Der günstigere App-Preis spart in diesem Beispiel nach Abzug des zusätzlichen Kraftstoffs 2,34 Euro. Das Ergebnis beweist jedoch nicht, dass sich jeder zehn Kilometer lange Umweg lohnt: Tankmenge, Preisabstand, Fahrzeugverbrauch und eigener Rechenpreis verändern das Resultat.

E10-Freigabe und sichere App-Nutzung beachten

Super E10 sollte nur getankt werden, wenn der Fahrzeughersteller das konkrete Fahrzeug dafür freigegeben hat. Hinweise finden sich je nach Fahrzeug in der Betriebsanleitung, am Tankdeckel oder in Herstellerinformationen. Bei Unsicherheit ist die Freigabe vor dem Tanken zu klären; ein niedrigerer Preis rechtfertigt kein technisches Risiko.

Eine Tank-App darf außerdem nicht während der Fahrt bedient werden. Route, Sorte und Preisvergleich werden vor dem Start oder im ordnungsgemäß abgestellten Fahrzeug geprüft. Mitfahrer können die Suche übernehmen, sofern sie den Fahrer nicht ablenken.

An der ausgewählten Station folgt der letzte Abgleich: Stimmen Kraftstoffsorte und ausgeschriebener Preis mit der App-Anzeige überein? Erst dann lässt sich beurteilen, ob die zuvor berechnete Nettoersparnis noch erreichbar ist.

Quelle: Bundeskartellamt

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