Wer Benzin- oder Dieselpreise vergleicht, sollte nicht automatisch die billigste Tankstelle im Umkreis ansteuern. Entscheidend ist, wie viele Liter in den Tank passen und wie viele zusätzliche Kilometer die Fahrt kostet. Ein kleiner Preisvorteil kann schon durch den Kraftstoffverbrauch des Umwegs verschwinden.
Von der Sakamakal-Redaktion | Stand: 18. August 2026
Für die praktische Entscheidung genügen zunächst vier Werte:
- Preis je Liter an den infrage kommenden Tankstellen
- tatsächlich benötigte Kraftstoffmenge
- zusätzliche Strecke für Hin- und Rückweg
- realistischer Verbrauch des eigenen Autos
Aktueller Stationspreis und Wochendurchschnitt erfüllen verschiedene Zwecke
Öffentliche Tankstellen melden ihre Preisänderungen an die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt. Die Daten werden an zugelassene Verbraucher-Informationsdienste weitergegeben. Autofahrer können dadurch Preise einzelner Stationen vergleichen.
Ein aktueller Stationspreis ist für die konkrete Tankentscheidung relevant. Er zeigt, welcher Preis zuletzt für eine bestimmte Kraftstoffsorte an einem bestimmten Standort gemeldet wurde. Bis zur Ankunft kann sich dieser Preis jedoch erneut ändern. Auch die angezeigte Entfernung sagt noch nicht, wie groß der wirkliche Umweg gegenüber der ohnehin geplanten Strecke ist.
Das Weekly Oil Bulletin der Europäischen Kommission verfolgt einen anderen Zweck. Es veröffentlicht vergleichbare wöchentliche Verbraucherpreisdaten für Kraftstoffe in den EU-Mitgliedstaaten. Ein solcher wöchentlicher nationaler Durchschnitt hilft dabei, das allgemeine Preisniveau in Deutschland einzuordnen.
Für die Auswahl einer einzelnen Tankstelle ist der Durchschnitt dagegen kein Angebotspreis. Er bildet weder jede regionale Abweichung noch kurzfristige Änderungen im Tagesverlauf ab. Deshalb sollte ein Wochenwert nicht mit dem aktuellen Preis einer konkreten Station gleichgesetzt werden.
Die Ersparnis hängt vor allem von der Tankmenge ab
Die mögliche Bruttoersparnis lässt sich einfach berechnen:
Preisunterschied je Liter × benötigte Liter = Bruttoersparnis
Ist Super E10 an einer Station beispielsweise fünf Cent je Liter günstiger und werden 40 Liter getankt, beträgt der rechnerische Vorteil zwei Euro. Bei nur 15 Litern wären es dagegen 75 Cent. Derselbe Preisunterschied kann sich bei einem fast leeren Tank lohnen, bei einer kleinen Nachfüllmenge aber bedeutungslos sein.
Verglichen werden muss immer dieselbe Kraftstoffsorte. Super E10, Super E5 und Premiumprodukte sind keine austauschbaren Preisangaben. Maßgeblich bleibt außerdem, welchen Kraftstoff der Fahrzeughersteller freigibt.

So kann ein Umweg den Preisvorteil vollständig aufzehren
Angenommen, eine weiter entfernte Tankstelle ist zehn Cent je Liter günstiger. Bei einer Tankmenge von 20 Litern ergibt das zunächst eine Ersparnis von 2,00 Euro.
Der zusätzliche Hin- und Rückweg beträgt in diesem Beispiel 18 Kilometer. Verbraucht das Auto sieben Liter auf 100 Kilometer, werden dafür rechnerisch 1,26 Liter benötigt. Bei einem rein beispielhaften Kraftstoffpreis von 1,70 Euro je Liter kostet allein dieser Verbrauch rund 2,14 Euro.
Damit wäre der vermeintliche Vorteil bereits vollständig aufgezehrt:
- Bruttoersparnis beim Tanken: 2,00 Euro
- Kraftstoffkosten des Umwegs: rund 2,14 Euro
- Ergebnis vor Zeit und Verschleiß: minus 14 Cent
Der verwendete Preis von 1,70 Euro ist keine aktuelle Marktangabe, sondern nur eine Rechengröße. Zeitaufwand, Reifenverschleiß und andere Fahrzeugkosten sind in diesem Beispiel noch nicht enthalten. Stau, Baustellen oder eine erneute Preisänderung bis zur Ankunft können das Ergebnis zusätzlich verschlechtern.
Diese Entscheidungsregel schützt vor teuren Extrakilometern
Am sinnvollsten ist eine Tankstelle, die direkt an der geplanten Route oder nur wenige zusätzliche Kilometer entfernt liegt. Zuerst sollte der benötigte Kraftstoff geschätzt und daraus die Bruttoersparnis berechnet werden. Anschließend werden die Kraftstoffkosten der zusätzlichen Strecke abgezogen.
Die kompakte Regel lautet:
Nur abfahren, wenn die Bruttoersparnis deutlich über den Kosten des gesamten Umwegs liegt.
Für die Umwegkosten gilt näherungsweise:
Zusatzkilometer ÷ 100 × Verbrauch × Kraftstoffpreis
Bleibt nach dieser Rechnung nur ein kleiner Centbetrag übrig, ist die Station entlang der normalen Strecke meist die robustere Wahl. Vor der Abfahrt sollte der Stationspreis noch einmal geprüft werden. Nationale Wochenwerte eignen sich zur Orientierung; für die nächste Tankfüllung zählen jedoch der konkrete Preis, die Tankmenge und die tatsächlich zusätzlich gefahrenen Kilometer.
Quelle: Bundeskartellamt
Kontext und Aktionen Über diesen Artikel
Quellenprüfung Datengrundlage und Rechenweg
Der Beitrag trennt gemeldete Stationspreise von wöchentlichen Durchschnittswerten und kennzeichnet Beispielwerte ausdrücklich als Annahmen.
- Aufgabe der Markttransparenzstelle beim Bundeskartellamt geprüft
- Verwendungszweck des Weekly Oil Bulletin eingeordnet
- Umwegkosten anhand von Strecke, Verbrauch und Beispielpreis berechnet
- Quelle
- Bundeskartellamt – Markttransparenzstelle für Kraftstoffe
- Umfang
- Deutschland
- Aktualisiert
- 2026-08-18 07:42
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