In einem Gemeinschaftsraum im Souterrain liegen gelbe Karteikarten auf einem Tisch. Yusuf schreibt ein Wort darauf: „Wut“. Für den 21-Jährigen ist das Gefühl eng mit seiner Vergangenheit verbunden. Nach einer Verurteilung wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung nimmt er an einem Sozialen Trainingskurs in Krefeld teil – und versucht, die Auslöser seines Verhaltens zu verstehen.
Wut erkennen, bevor sie in Gewalt umschlägt
Neben Yusufs Karte hängen weitere Begriffe: Trauer, Angst und Verzweiflung. Die Jugendlichen sprechen darüber, welche Funktionen Gefühle haben und wie sie mit ihnen umgehen können. Ziel ist, dass sie emotionale Auslöser früher wahrnehmen und andere Reaktionen einüben.
Yusuf sagt, er bereue seine Tat. Von den früheren Freunden, mit denen er an der Schlägerei beteiligt war, hat er sich inzwischen distanziert. Er hat eine Ausbildung begonnen und beschreibt sich als „sauber“ – also ohne neue Straftat. Seine Wut sei nicht verschwunden, entlade sich aber nicht mehr in Faustschlägen.

Auch die 16-jährige Anna besucht den Kurs. Sie wurde straffällig, nachdem sie eine andere Jugendliche geschlagen hatte. „Ich lerne, besser mit meinen Emotionen umzugehen und eine andere Lösung als Gewalt zu finden“, sagt sie.
Der Kurs ist eine gerichtliche Auflage
Das Soziale Training richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 21 Jahren, die meist mehrere oder schwerere Straftaten begangen haben. Häufig ist die Teilnahme Bestandteil einer Bewährungsauflage. Für manche ist der Kurs die letzte pädagogische Intervention vor einer möglichen Haftstrafe.

Die Jugendhilfe im Strafverfahren der Stadt Krefeld organisiert die Trainings seit mehr als 15 Jahren. Seit 2017 führt der Katholische Verein für soziale Dienste in Krefeld (SKM) die Kurse durch. Drei Durchgänge beginnen pro Jahr und dauern jeweils rund drei Monate mit wöchentlichen Einheiten.
Reflexion, Opferperspektive und klare Regeln
Zu den zentralen Zielen gehören die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Tat, der Blick auf die Opferperspektive und gewaltfreie Kommunikation. Die Teilnehmenden sollen außerdem Strategien für ein straffreies Leben entwickeln.

Jede Einheit hat ein eigenes Thema. Neben Gefühlen geht es etwa um Selbstreflexion und Biografiearbeit. Die Trainerinnen arbeiten mit konfrontierender Pädagogik in der Gruppe. Wer dauerhaft nicht mitarbeitet oder gegen die Regeln verstößt, kann ausgeschlossen werden und muss gegebenenfalls mit weiteren jugendrichterlichen Maßnahmen rechnen.
Ein Kurs startet üblicherweise mit zwölf Personen. Nach Angaben der Sozialarbeiterin Denise Krüger erreichen meist nur acht bis zehn Teilnehmende das Ende. Krüger betreut aktuell zusätzlich rund 60 straffällig gewordene Klienten.
Rund 75 Prozent bleiben nach dem Kurs straffrei
Eine Auswertung der Stadt Krefeld für die Jahre 2020 bis 2025 zeigt: Rund 75 Prozent der Absolventinnen und Absolventen bleiben nach dem Kurs straffrei. Gülay Kaya, Leiterin der städtischen Jugendhilfe im Strafverfahren, führt das unter anderem auf ein besseres Verständnis des eigenen Verhaltens und mehr Selbstvertrauen zurück.
Die Zahl bedeutet zugleich, dass nicht jede Biografie eine positive Wendung nimmt. Auch Jugendliche, die engagiert mitarbeiten, können rückfällig werden und später im Gefängnis landen. Die pädagogische Maßnahme kann den Änderungswillen nicht ersetzen – sie bietet den Jugendlichen jedoch einen strukturierten Rahmen, um ihn zu entwickeln.
Quelle: City of Krefeld Press Releases
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Quellenprüfung Quellenhinweis
Der Beitrag folgt den Angaben der Stadt Krefeld zum Sozialen Trainingskurs und ordnet Ablauf, Zielgruppe und Auswertung ein.
- Angaben zu Altersgruppe und Kursdauer mit der Stadtbeschreibung abgeglichen
- Ziele und Teilnahmebedingungen des Trainings aus dem Ausgangstext übernommen
- Erfolgsquote für die Jahre 2020 bis 2025 ausdrücklich als Stadtauswertung gekennzeichnet
- Quelle
- Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
- Umfang
- Krefeld
- Aktualisiert
- 2026-09-10 13:14
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